Polizeilicher Großeinsatz ohne erkennbaren Anlass
Bei gerade einmal 6.539 Zuschauern, darunter lediglich 13 Gästefans, handelte es sich um eine Begegnung ohne besondere Rivalität oder Konfliktlage. Auch die polizeiliche Einstufung als sogenanntes „Grün-Spiel“ ließ keine erhöhten Sicherheitsrisiken erwarten. Dennoch wurden Heimfans auf ihrem Weg durch die Stadt von fünf Polizeikastenwagen begleitet. Auch auf der Westtribüne waren zahlreiche Polizeikräfte positioniert.
Die geringe Zahl an Gästefans war dabei keineswegs überraschend. Bereits beim letzten Heimspiel gegen Havelse waren nur 15 Gästefans angereist. Dies hätte bei der polizeilichen Einsatzplanung entsprechend berücksichtigt werden können.
Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Auch bei anderen Jahn-Heimspielen ist regelmäßig ein massives Polizeiaufgebot zu beobachten, unabhängig von der Zahl der Gästefans oder einer erkennbaren Gefährdungslage. Es entsteht der Eindruck, dass umfangreiche Polizeieinsätze in Regensburg bei Fußballspielen zur Selbstverständlichkeit geworden sind, ohne dass deren Notwendigkeit ausreichend nachvollziehbar ist.
Besonders fragwürdig erscheint dies angesichts der Diskussion über die Kosten von Polizeieinsätzen im Profifußball. Während Vereine bei Hochrisikospielen zunehmend an den Kosten beteiligt werden sollen, stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien die Personalstärke überhaupt festgelegt wird. Wenn selbst bei einem Grün-Spiel mit lediglich 13 Gästefans ein derartiges Aufgebot erforderlich erscheint, darf dessen Verhältnismäßigkeit auch von Nicht-Fußballfans hinterfragt werden. Laut Angaben der Polizeiinspektion Regensburg Süd werden bei Jahn-Heimspielen von der Polizei durchschnittlich 2,4 angezeigte Straftaten pro Heimspiel registriert. Ob diese auch tatsächlich zu einer Verurteilung führen oder im Verlauf eingestellt werden, lässt die Polizei allerdings offen. Auch wenn diese Zahl allein keine abschließende Bewertung der Sicherheitslage erlaubt, wirft sie Fragen hinsichtlich des regelmäßig hohen Personalaufwands auf.
Hinzu kommt die Wirkung einer dauerhaft hohen Polizeipräsenz auf die Fans. Diese kann auch ohne konkrete Konfliktlage als pauschale Verdächtigung wahrgenommen werden, das Verhältnis zwischen Fans und Polizei belasten und möglicherweise selbst zu Spannungen beitragen.
Für uns stellt sich deshalb nicht nur die Frage nach dem verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Geldern, sondern auch danach, ob der regelmäßig hohe Personalaufwand durch die jeweilige Gefahrenprognose gerechtfertigt ist. Es erscheint widersprüchlich, einerseits über hohe Polizeikosten und die vielen Überstunden zu klagen, andererseits aber selbst bei Begegnungen mit niedriger Risikoeinstufung derart viele Kräfte einzusetzen.
Die Fanhilfe Regensburg fordert daher endlich eine an die Realität angepasste Einsatzstrategie der Polizei und ein Umdenken bei der pauschalen Kriminalisierung von Fußballfans. Polizeikräfte müssen unbedingt verhältnismäßig eingesetzt werden. An einem Spieltag wie am vergangenen Samstag ist es gegenüber keinem steuerzahlenden Bürger zu rechtfertigen, dass sowohl mit Geld als auch mit den Einsatzstunden der eingesetzten Beamten so leichtfertig umgegangen wird.
Fanhilfe Regensburg am 12.10.2026 – Solidarisch für Fanrechte
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